Motorcode, Motornummer und VIN: drei Nummern, die beim Teilekauf ständig verwechselt werden
Die meisten Fehlkäufe von Motorteilen entstehen aus einer Verwechslung. Käufer geben die Fahrgestellnummer ein, wenn der Motorcode gefragt ist, oder lesen die Motornummer ab und halten sie für den Motorcode. Drei Nummern, drei Funktionen. Dieser Leitfaden trennt sie sauber, zeigt, wo jede in den Fahrzeugpapieren steht, und erklärt, welche Nummer Sie für welches Ersatzteil wirklich brauchen.
Was identifiziert die VIN?
Die VIN (Vehicle Identification Number, deutsch Fahrzeug-Identifizierungsnummer, umgangssprachlich Fahrgestellnummer) besteht aus 17 Zeichen und identifiziert ein einzelnes Fahrzeug weltweit eindeutig. Sie verschlüsselt Hersteller, Modell, Werk und Baujahr. Zwei Fahrzeuge tragen niemals dieselbe VIN.
In der Zulassungsbescheinigung Teil I steht die VIN im Feld E. Am Fahrzeug finden Sie sie eingeschlagen im Motorraum, sichtbar unten an der Windschutzscheibe und meist auf dem Typschild in der Türsäule.
Die VIN ist der richtige Schlüssel für fahrzeugbezogene Teile. Wer einen Querlenker, einen Bremssattel oder ein Steuergerät sucht, grenzt über die VIN die exakte Fahrzeugkonfiguration ein. Für motorinterne Teile reicht die VIN allein oft nicht aus, weil dasselbe Modell mit verschiedenen Motoren ausgeliefert wurde.
Was bedeutet der Motorcode?
Der Motorcode, in Deutschland auch Motorkennbuchstaben oder MKB genannt, identifiziert den Motortyp, nicht das einzelne Aggregat. Er besteht meist aus zwei bis vier Buchstaben oder einer kurzen Kombination aus Buchstaben und Ziffern. Beispiele sind CAYC für einen 1.6 TDI im VW-Konzern oder N47D20 für einen BMW-Vierzylinder-Diesel. Alle Motoren desselben Typs tragen denselben Motorcode.
Der Motorcode entscheidet über die Passform fast aller motorinternen Teile: Zylinderkopf, Steuerkette, Einspritzdüsen, Turbolader, Anlasser und Lichtmaschine. Zwei Fahrzeuge mit unterschiedlichem Modell, aber gleichem Motorcode nutzen dieselben Motorteile.
Am Fahrzeug steht der Motorcode eingeschlagen oder auf einem Aufkleber am Motorblock, oft an der Steuerseite oder am Übergang zum Getriebe. In den Papieren ist er nicht direkt als eigenes Feld eingetragen. Über die Typschlüsselnummer im Feld 2.2 der Zulassungsbescheinigung lässt sich die Motorisierung jedoch eindeutig ermitteln. Bei Fahrzeugen vor 2005 steht diese Nummer im alten Fahrzeugschein in Feld 3.
Genau hier liegt der praktische Hebel beim Gebrauchtteilkauf. Wer den Motorcode kennt, findet z.B. auf Seiten wie Autoparts24 alle passenden Motorteile aus dem gesamten Verwerternetz, auch aus anderen Modellen, die denselben Motor verbaut haben. Aus einem einzelnen Treffer für Ihr Modell wird so ein breiteres Angebot mit besseren Preisen.
Was ist die Motornummer?
Die Motornummer ist die Seriennummer eines einzelnen, physischen Motors. Jeder gebaute Motor bekommt eine eigene Motornummer, vergleichbar mit der VIN für das ganze Fahrzeug. Zwei Motoren desselben Typs teilen denselben Motorcode, tragen aber verschiedene Motornummern.
In der harmonisierten europäischen Zulassungsbescheinigung ist die Motornummer für das Feld P.5 vorgesehen. In der Praxis bleibt dieses Feld in vielen deutschen Papieren leer, weil die Eintragung nicht in allen Fällen verpflichtend erfolgt. Am Fahrzeug steht die Motornummer eingeschlagen am Motorblock.
Für den Teilekauf brauchen Sie die Motornummer normalerweise nicht. Sie dient der Identität eines konkreten Motors, etwa bei einem Motortausch, bei der Verfolgung gestohlener Aggregate oder bei behördlichen Eintragungen. Wer Motorteile sucht, arbeitet mit dem Motorcode, nicht mit der Motornummer.
Wo stehen die Nummern in den europäischen Fahrzeugpapieren?
Seit der EU-Richtlinie 1999/37/EG tragen die Zulassungspapiere aller Mitgliedstaaten dieselben Feldcodes. Drei Codes sind für den Teilekauf wichtig:
Feld E enthält die VIN, also die 17-stellige Fahrgestellnummer. Feld D.2 nennt Typ, Variante und Version und erlaubt zusammen mit den Herstellerunterlagen die Bestimmung des Motors. Feld P.5 ist für die Motornummer reserviert.
Diese Codes gelten länderübergreifend, auch wenn die Dokumente unterschiedlich heißen. In Deutschland ist es die Zulassungsbescheinigung Teil I, in Frankreich die Carte Grise, in Großbritannien das V5C-Logbook, in Polen der Dowód rejestracyjny und in den Niederlanden die Kentekencard. Wer einen Gebrauchtwagen aus dem europäischen Ausland importiert hat, findet die VIN also stets im Feld E, unabhängig von der Sprache des Dokuments.
Welche Nummer brauchen Sie für welches Teil?
Die Zuordnung ist eindeutig, sobald die drei Begriffe getrennt sind.
Für motorinterne Teile gilt der Motorcode. Zylinderkopf, Turbolader, Einspritzanlage, Steuerkette, Anlasser und Lichtmaschine richten sich nach dem Motortyp. Ermitteln Sie den Motorcode am Motorblock oder über die Typschlüsselnummer und suchen Sie damit.
Für fahrzeugbezogene Teile gilt die VIN. Fahrwerk, Bremsen, Karosserie und viele Steuergeräte hängen an der konkreten Fahrzeugkonfiguration. Die VIN-Suche filtert diese Teile zuverlässig.
Die Motornummer brauchen Sie für den normalen Teilekauf nicht. Heben Sie sie für Motortausch und Behördengänge auf.
Ein letzter Praxistipp zur Sicherheit. Bei elektronischen Bauteilen reicht der Motorcode manchmal nicht, weil dieselbe Hardware je nach Leistungsstufe eine andere Software trägt. Prüfen Sie in solchen Fällen zusätzlich die vollständige OEM-Nummer des konkreten Teils, bevor Sie kaufen.